Von Appelspeck, Katzenloch und Krappenickels in Beuern…

Heimatkundlicher Arbeitskreis Buseck stellt neues Buch über Flurnamen zur Feier des 800 Jahre Beuern Jubiläums vor. – „Unschätzbare Fleißarbeit der Verfasser“

Schon mal was von „Appelspeck, Entenpfuhl, Katzenloch, Fuchsbau, Krappenickels oder Schweigling“ gehört? Wenn ja, kennen sie sich in der Gemarkung Beuern sehr gut aus. Doch selbst eingefleischte Krebsbachtaler schütteln den Kopf, wenn sie „Aetterrain, Gall oder Irrgarten“ hören. Es sind einige von vielen Flurnamen in der Gemarkung Beuern. Viele sind aber auch geläufig: „Dörfeln, Distelstück, Esp, Hachenbach oder Ziegelberg.“ Alle sind aufgelistet in einer neuen Schrift des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HKA) Buseck, die am Freitag dem 17.3.2006 in der Gaststätte „Alte Post“ in Beuern vorgestellt wurde.

„Ein erster Blick genügt, um festzustellen, dass es sich hier um eine wissenschaftlich fundierte und unschätzbare Fleißarbeit handelt, die Hand in Hand von Dr. Karl Heinz Passler und Margitta Handloser für Gegenwart und Zukunft niedergelegt wurde“, erklärte HKA Vorsitzender Friedhelm Leblanc.

Passler ist von „Hause aus“ eigentlich Physiker, betreibt aber schon seit langer Zeit Heimatforschung als Hobby. Über Margitta Handloser muss man nicht viele Worte verlieren. Sie ist ein echt Beuerner Kind, mit ihrem Arnold`schen Ahnen tief mit dem Dorf verwurzelt und daher mit der Geschichte und vielen Eigenarten vertraut. Auch ihr ist die Heimatforschung ein lieb gewordenes Hobby.

Beide hoben hervor, dass die Flurnamen der „Schlüssel für viele Erkenntnisse“ sind. Einer von vielen ist der „Schlagacker“. Dass hier nicht der „Edle von Manegold“ erschlagen wurde, war Passler bald klar. Es ist vielmehr der Hinweis darauf, dass es dort früher eine Zollschranke gab. Der Weg führte ins kurhessische Treis, also ins „Ausland“. Margitta Handloser meinte, vor Generationen wäre es leichter gewesen, die Bevölkerung zu den Flurnamen zu befragen. Sie verschwinden nämlich nicht nur aus dem Gedächtnis, sondern auch von der Karte, etwa durch Flurbereinigung und Bebauung. Handloser stützte sich bei ihren Nachforschungen auch auf die Aufzeichnungen ihres Urgroßvaters Wilhelm Arnold V.,der bereits 1930 einen Beitrag über Flurnamen veröffentlicht hatte. Aus ihrer Kindheit schilderte sie: „Wenn wir aus der Schule kamen, lag oft ein Zettel auf dem Tisch mit der Mitteilung, nach dem Essen alle Kinder auf den „Mönchbaumsacker“ zum Distel stechen, in die „ Hachenbach“ zum Kartoffel lesen oder auf die „Schwarze Erde“ zum Heu wenden kommen. Dies war nicht nur in ihrer Familie so, sondern die Kinder mussten bei der Landwirtschaft mithelfen und so zum Lebensunterhalt beitragen.

Bei den Nachforschungen waren die Familie Liske, die Herren Philipp Lindenstruth, Wilhelm Lindenstruth, Siegfried Otto, Walter Otto (Hofgartenstrasse) und die Mutter Hilda Jäger behilflich, aber auch viele andere Beuerner. Eine aktuelle Flurkarte stellte das Amt für Bodenmanagement Marburg zur Verfügung, die als großes Faltblatt dem neuen Buch beigegeben ist. Die Verfasser wurden von Ute Zecher, Elke Noppes und Ilse Reinholz-Hain unterstützt. Ehemann Erich und Sohn Jörg sprachen der Flurnamen-Forscherin immer wieder Mut zu, wenn die Arbeit ins Stocken geriet.

Aufgelistet sind Flurnamen, die seit dem „Arnsburger Kauf“, der um 1489 stattfand, in Urkunden und alten Plänen aufzufinden waren. Ein Ausschnitt einer Flurkarte von 1878 wurde von Walter Zecher nach einem Dia angefertigt. Zu sehen sind die Fluren „Mönchweg, Allendörfer Pfad, Mühläcker, Gilbach“ und hier wird deutlich, wie durch Erbteilungen die Grundstücke immer kleiner wurden. Eine erste Flurbereinigung fand 1847 statt, eine weitere 1953. Heute sind Äcker und Wiesen rund um Beuern meist im Eigentum oder in Pacht weniger Landwirte.

Die Buchvorstellung war eingebettet in eine Erläuterung von Dieter Schäfer, wie aus „Buren“ Beuern wurde, von Elke Noppes, wie es um die Herrschaftsbezirke in und um Beuern bestellt war und wie es zu dem sogenannten „Arnsburger Kauf“ kam. Zum Schluß wurde das Beuerner Lied, geschaffen von Günter Maier von ihm und Rita Mattern vorgetragen.
Die ca 50 Besucher sangen bei dem Refrain kräftig mit.

Refrain:
Jo, mir sei Beuerner,
mir sei näit oam, näit reich;
mir sei e lustich Volk,
doas sieht doch jeder gleich.
Mir hu kee Firz eam Kopp,
mir sei näit imgewaadt,
mir basse ean die Welt,
doas iäs bekaat!


Viel zu selten sind diese Flurnamen als Straßennamen wieder zu finden, bedauert Margitta Handloser. Sie sammelt jetzt neue Kraft und alte Hausnamen. Auch sie sollen in einem Heft für die Nachwelt erhalten werden. Wer solche Namen kennt, gibt sie am besten schriftlich ab bei Margitta Handloser, Sudetenlandstrasse 14.

Dort und beim Heimatkundlichen Arbeitskreis Buseck ist auch die neue Schrift „Die Flurnamen in der Gemarkung Beuern“ zum Preis von 12 € zu bekommen.