Besinnliches und Heiteres aus dem Dorfleben - nicht nur in Mundart

Samstag, 9.April 2005
20 Uhr in der Willy Czech Halle Beuern

Lieder der Mundartgruppe "Kanapee", Gedichte, Sketche, Gereimtes und Ungereimtes, "Verzählerches" und "wahre" Geschichten.

 

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Erinnerungen an die "Spiennstobb", Kinderlieder von der Gruppe "Rosenrot"
Das Ganze wird verpackt in eine "nicht alltägliche Moderation".

Die Mitwirkenden des Abends kommen fast ausschließlich aus Beuern und wollen für Sie ein buntes Programm zaubern.

 

An was erinnern Sie sich am liebsten aus den vergangenen Jahren, bzw. Jahrzehnten?

Wie klangen Kinderlieder damals, wie heute???
Wir wollen Sie entführen in die dörfliche Vergangenheit, aber auch die Gegenwart beleuchten und einen Blick in die Zukunft werfen.

Erleben Sie einen kurzweiligen und humorvollen Abend.
Im Anschluß an das Programm dürfen Sie zur Musik der "Trojanos" das Tanzbein schwingen...

Bilder davon sehen Sie hier

Titelsponsor, Beuerner Owed:

"Vier schöne Stunden über Dorfleben einst und jetzt"

"Beuerner Owed" war die zweite Großveranstaltung anlässlich "800 Jahre Beuern" - Gereimtes und Ungereimtes, Gesang, Tanz und wahre Geschichten.

"Bei uns in Beuern, im Krebsbachtal, gibt´s keinen Kummer und keine Qual..." heißt es im Refrain zum "Beuerner Lied"

Begeistert sangen es etwa 350 Menschen mit, die zuvor ein 4 stündiges Programm von einst und jetzt miterlebt hatten, gespickt mit Witz und guter Laune. "Beuerner Owed" war der Titel der zweiten Großveranstaltung in der Willy-Czech- Halle zum 800. Dorfgeburtstag.

 

Rund 100 Akteure boten Gereimtes und Ungereimtes, Gesang und Tanz, Wahre Geschichten von gestern und heute. Beim "Hahnenschrei" zeigte sich das Fensterguckerpärchen (Margitta Handloser, Wilhelm Sommerlad), um auf das Topereignis aufmerksam zu machen und dann mit launigen Erklärungen die Programmpunkte miteinander zu verbinden. Zur Gruppe "Kanapee" haben sich Beuerner zusammengefunden, die mit dem Lied: "Net lang her" dem "Owed" gleich die richtige Würze verliehen. Sie erzählten von Schulzeit, Kirmes, Opas Nachthemd, "Gobbches Karl", dem "AB ohne Licht" und betrachteten dabei die Vergangenheit aus einem romatisch verklärten Blickwinkel so hautnah, als wäre es gestern gewesen. Ein furioser Auftakt.

 

Ilse Klos wohnt schon seit vielen Jahren in Rödgen, aber ihr Herz hängt immer noch an Beuern, obwohl es in der Borngasse nicht sehr bequem war. Harmlos, das sich Eltern und 3 Kinder ein Bett teilen mussten. "Wollste mol e Fettzche losse, groch mei Schwester Sommersprosse", hatte sie ihre Erinnerungen in umwerfend komische Reime gefasst.

Die Jazztanzgruppe des TSV bot einen "Bauerntanz", dem Pia Sommerlad ordentlich Pep verpasst hatte.

 

Der Heilgehilfe "Ulp" Huber trieb vor langer Zeit in Beuern sein (Un) wesen als Geburtshelfer, Zähnezieher, Quacksalber und Barbier. Der "Botter-Lui" (Dieter Wiesner) - ebenfalls ein unvergessenes Original, durfte in dieser Szene nicht fehlen und weil er (wieder einmal) kein Geld hatte, aber einen "Riesendorscht" hatte der Heilgehilfe (Walter Ranft) wie so oft das Nachsehen.

 

Die Gruppe "Rosenrot" war von Norbert Steinmüller extra für den "Owed" ins Leben gerufen worden und wartete mit vielen alten Kinderliedern aus der Feder von Heinrich Hoffmann von Fallersleben auf. Marga Wießner gab ihr Dasein als Ehefrau zum Besten, die nur deshalb immer dicker wird, weil die "inneren Werte" nach außen treten. Ihre "Trennkost" Definition: "Mein Mann easst ean de Wuhnstobb, ich ean de Kech"

 

Beuern war unter den wenigen Dörfern, die einst einen "Ortsrundfunk" besaßen. Er löste vor über 50 Jahren den Ortsdiener mit seiner Schelle ab. Im Dorf waren mehrere Lautsprecher installiert, Hilde Burk bediente in der Bürgermeisterei das Mikrofon. So waren die Beuerner immer schnell mit neuesten Informationen versorgt. jetzt ertönte noch einmal ihre Stimme: "Ab sofort werden bei der Gastwirtschaft Nagel erstklassige Ferkel verkauft." Wie es bei einem solchen Handel zugeht, beherrschten Siegfried Otto und Erich Handloser bei ihrem "Ferkelwalzer" aus dem "Effeff".

 

"Spennstobb" war Volltreffer
Der Mütterkreis landete einen weiteren Volltreffer mit der "Spennstobb". Wie zu allen Zeiten ging es um Liebesleid (weniger um Liebesfreud) und dabei immer auch um die heimische Scholle. Als Oma und Opa ins Bett gegangen waren, kam auch noch der Nachtwächter und gebot Ruhe und vierstimmig erklang "Hört Ihr Leute, laßt Euch sagen...". Was es mit dem Aufgebots- Kasten auf sich hatte, wenn ein Pärchen heiraten wollte (oder mußte), erzählten Helma und Paul Hanl in einem Sketch. dazu war ein Standesbeamter aus Buseck angereist, der so gar nicht das Vertrauen des ortsansässigen "Vermählers" besaß. Immerhin war die "Geißbock-Marie" als Braut froh, daß sie nicht 3 Wochen "im Kasten hängen" mußte.

 

"Jung trifft alt" - Hinter der Ankündigung verbarg sich ein Meisterwerk dörflichen Humors.) Der Punk (Michael Kumpf) trifft in der Arztpraxis auf Bauersfrau Gretche (Ursula Hettche). Zwischen beiden bauen sich die Sprachbarrieren gleich mehrerer Generationen auf. Michis MP3-Player hängt für Gretchen am Hörgerät und sie kann es gar nicht fassen: "Der ganze Gesangverein in so einem kleinen Kästchen?" Seine "Hinkelsfrisur ist sowieso nicht nach ihrem Geschmack.

 

Nach so viel professionellem Nonsens schlug Erich Handloser mit dem Gedicht "Ein Stäubchen Ewigkeit" besinnliche Töne an: "Zeit ist nicht an Zeit gebunden - hat man Zeit gefunden, wird sie oft vertan."
"Deselwe Mond" (scheint für alle) ließ sich "Kanapee" noch einmal vernehmen und Rita Mattern beleuchtete dabei gute und schlechte Zeiten in Beuern. Das hätte das Motto-Lied sein können, es endete mit dem Wunsch: ..."Daß uns kein Krieg je entzweit..."

 

Das Finale mit Moderator Walter Czech war in vollem Gange, als "Botter-Lui" noch einmal aus dem Jenseits ins Beuern von heute kam. Er fand eine "Wirtshaus-Krise" vor: Alte Kneipen gab es nicht mehr oder trugen andere Namen, die "Post" hatte noch nicht geöffnet. Wenigstens im "Ventilche" gab es Bier. Traurig kehrte "Botter-Lui" seinem geliebten Beuern wieder den Rücken und stellte fest: "Früher war das Dorf nur halb so groß und es gab nur halb so viele Menschen, aber doppelt so viel Wirtschaften - wir konnten sie alle ernähren". "Botter Lui" hieß im richtigen Leben Ludwig Döring und ist als Original in die Geschichte Beuerns eingegangen.

(Gießener Anzeiger vom 11. April 2005)
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