Beuern (sbu). Mit dem vollen Geläut der Beuerner Kirche zum Jahresausklang ging auch das letzte Kapitel der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen des Dorfes im Krebsbachtal zu Ende. Noch einmal hatten sich "Beuerner Leut" und eine Reihe bewährter Akteure in der Kirche eingefunden, um mit dem Sylvester Gottesdienst voller Dankbarkeit an das ereignisreiche Jahr zu erinnern.

Die vielen Darbietungen im Laufe des Jahres zeigten die Vergänglichkeit auf. So zog sich das Zitat: "Alles hat seine Zeit.." (Prediger3), wie ein roter Faden durch den Gottesdienst, den die Beuerner als einen Dank-Gottesdienst verstanden wissen wollten. "Es war ein frohes Jahr" resümierte der Vorsitzende des Vereins 800 Jahre Beuern. Pfarrvikar Stefan Becker und die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Karin Diehl, fanden in der Liturgie die passenden Worte für den denkwürdigen Ausklang: "Dankbar blicken wir zurück auf ein segensreiches Jahr", hatte Karin Diehl die andächtige Gemeinde im gut besetzten Gotteshaus begrüßt. Dazu sang der prima eingestimmte Kirchenchor die vertraute Weise: "Das alte Jahr vergangen ist".

Der Flötenspieler hat normalerweise seinen Platz mitten im Dorf. Die symbolträchtige Figur hatte -allerdings nur imaginär- ein Jahr auf dem Kirchendach Platz genommen. Was er von dort alles sah, belebte nun die Phantasie von Dr. Dieter Lindheimer, der den Flötenspieler erzählen ließ.: Er sah die Mönche kommen; manches war für das Dorf von Nutzen, manches nicht. Die Mönche hatten ihre Zeit, sie mußten gehen. "Unser Dorf blieb, seine Menschen wussten sich in Gottes Hand geborgen." - Szenenwechsel: Die Ritter schützten die Beuerner vor Plünderungen, dann plünderten sie bisweilen die Bauern. Die Ritter hatten ihre Zeit. Ihre Burg zerfiel. "Unser Dorf blieb..." - Zwei Frauen in Bauerntracht betraten die Kulisse. Sie erinnern den Flötenspieler an die mühsame Arbeit von Bauern und Handwerkern. Von der Landwirtschaft können nur noch wenige Menschen leben. Doch der Arbeitsrhytmus führte in eine frohe Gemeinschaft. Der Flötenspieler sah Feste. Manche kehrten wieder, etwa wenn sich Brautleute das Ja-Wort gaben. Nicht alle waren glücklich, manche Ehe war erzwungen von Familien, die Besitz zu Besitz bringen wollten. Der Flötenspieler könnte erzählen, wie gut es den Menschen demgegenüber heute geht.
Der Flötenspieler fragt sich: "Warum vergessen so viele Paare heute nach einigen Jahren dieses Geschenk des Glücks?" - Dazu traten das Hochzeitspaar mit Brautjungfern von "Anno dazumal" auf, die schon beim stehenden Festzug im September viele Bewunderer gefunden hatten.
Der Flötenspieler im Festjahr. Dazu trat Dieter Schäfer im Jubiläums T-Shirt in die Szene. Der Flötenspieler rieb sich die Augen,als er sah, wie oft die Kirche imZentrum des Dorfes wahrgenommen wurde. Auch dieses Festjahr hatte seine Zeit. Bis zum Ende bleiben Heiterkeit und Freude. Der Flötenspieler: "Was bleibt? Wir werden nicht bleiben. Es bleibt die Zuversicht, daß Gottes Hand uns leitet, wie die Menschen, die vor uns gelebt haben."
Die Flötenspieler- Perspektiven wurden untermalt von Karin Lindheimer (Flöte) [...]
Rita Matterns
(geä.) Lied: "De selwe Mond" passte [...] gut in den Gottesdienst. "...woas hält des Schicksal für Beuern noch beräät, wann die Doache für ies längst vergange sei...?" fragte sie sich zu ihrerem einfühlsamen Spiel auf der Gitarre.
Der Kirchenchor unter der Leitung von Gudrun Feldbusch hatte die Antwort und sang: "Von guten Mächten wunderbar geborgen". "Alles hat seine Zeit - das gilt auch für den Verein 800Jahre Beuern," so Vorsitzender Schäfer in seinen Dankesworten an die Gemeinde.
"Wir haben uns über den guten Besuch und die Teilnahme der Bevölkerung gefreut. Dafür danken wir. Viele machten mit und ließen die Geschichte unseres Dorfes lebendig werden."
Die Arbeit im Verein war für Schäfer gekennzeichnet durch Einsatzfreude, gegenseitige Achtung und den Willen zu Erfolg. "Das Jahr 2005 wird Geschichte. Der Verein 800 Jahre Beuern hatte seine Zeit!" Aus der Freude über das abgelaufene Jahr sollten Zuversicht und das erfahrene Gefühl der Gemeinschaft mit in die Zukunft genommen werden. Schäfer: "Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur mit der Schau nach vorwärts gelebt werden."

(Gießener Anzeiger, 02.01.2006)